Monatliches Archiv für April, 2007

Warteschlangengeschichten Teil 1

Eisliebe, Hamburg-Ottensen

Zwei Mütter mit quengelndem Nachwuchs stehen in der nahezu kilometerlangen Warteschlange eines beliebten Ottensener Speiseeisherstellers. Sagt die eine mit enttäuschtem Unterton: “Neulich waren wir beim Eisdealer in der Schanze. Da gab es nicht mal eine Warteschlange vor dem Laden.”

So sehen also die Leute aus, für die ein Urlaub ohne Stau auf der Autobahn kein richtiger Urlaub ist.

bosch im Kino

Ich bin ein bißchen stolz auf mich. Es ist noch nicht lange her, da beantwortete ich mein allererstes Stöckchen. Jetzt folgt bereits Nummer zwei und der Berg wird merklich kleiner. Eigentlich gehe ich gern ins Kino. Das Problem ist, ich kann mich oft später nicht an Details der Filme, die ich gesehen habe, erinnern. Der Vorteil daran ist, dass ich mir dieselben Filme immer und immer wieder ansehen könnte. Der Nachteil ist jedoch, dass es vor diesem Hintergrund nicht einfacher wird, die folgenden Fragen zu beantworten, die mir Alexander zukommen ließ.

1. Ein Film, den Du mehr als zehnmal gesehen hast …

Ich glaube, ich habe keinen Film mehr als zehn mal gesehen. Zu meiner Schande könnte Dirty Dancing dank zahlreicher TV-Wiederholungen in die Nähe dieser Anzahl kommen, erreicht sie aber dann wohl doch nicht.

2. Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast …

Rocker von Klaus Lemke. Ein Klassiker, den jeder Hamburgliebhaber gesehen haben sollte.

3. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen …

Scarlett Johannson und Jack Nicholson

4. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen …

Didi Hallervorden

5. Ein Film, aus dem Du regelmäßig zitierst …

Ich kann mich nicht entscheiden, deswegen zwei Filme: “Jemand zuhause, McFly?” aus Zurück in die Zukunft und natürlich “Hebefiguren übt man am besten im Wasser” aus Dirty Dancing. Weiterlesen von ‘bosch im Kino’

Gewohnheitsstöckchen

Seit Dezember letzten Jahres schreibe ich nun ins Internet und lange Zeit frug ich mich, wann mir wohl das erste Stöckchen zugeworfen würde. Jetzt liegt es hier und das auch schon seit über zwei Wochen. Mittlerweile hat sich vor mir ein Stöckchenhaufen aufgebaut, aus dem man gut ein kleines Lagerfeuer machen könnte. Da aber auch des Nachts die Temperaturen derzeit wieder ansteigen, besteht hierfür kein Bedarf. Ich werde daher nach und nach die mir zugeworfenen Stöckchen in der Reihenfolge ihres Einganges abarbeiten und weiterverteilen. Beginnen möchte ich heute mit dem Gewohnheitsstöckchen, das mir Joaquin zuwarf.

1. Weißt Du, wie man die BH-Größe misst?
Nein, ehrlich gesagt nicht. Aber es ist wie so oft im Leben: der Inhalt zählt.

2. Was ist Deine Lieblingseissorte?
Ich mag Eissorten mit Keksstückchen darin. Einfach köstlich.

3. Welche 3 Dinge hast Du immer bei Dir, wenn Du unterwegs bist?
Mein linkes Bein, mein rechtes Bein und meinen Personalausweis. Man weiß ja nie, wofür das gut ist.

4. Rechts- oder Linkshänder?
Wie die meisten Menschen bin ich Rechtshänder. Versuche, auf Linkshändigkeit umzustellen, scheiterten kläglich. Weiterlesen von ‘Gewohnheitsstöckchen’

Welttag des Buches

Zum heut’gen Tag ein Buchgeschenk,
der Zeitungshändler sagt: “Bedenk,
ist gratis vom Verlag.”

Ich nehme das Präsent entgegen,
doch denke mir sodann: von wegen,
ein Buch, das ich nicht mag.

Setz gleich das Werk bei ebay rein,
doch siehe da, es kauft kein Schwein.
Es herrscht ein Überangebot.

Verzweifelt stell ich’s ins Regal,
denn es ist leider letzte Wahl.
Bleibt ungelesen bis zum Tod.

Besucher sagt: “Das dacht’ ich nie, -
Du liest Frühstück bei Tiffany.
Welch kitschige Lektüre.”

Ich sag: “Ich hab’s geschenkt bekommen.”
Doch er hat ’s leider nicht vernommen.
Ich kriege gleich Geschwüre. Weiterlesen von ‘Welttag des Buches’

Ich bin nicht Murat

Türkischerverwähler

1.

Vor ein paar Monaten erreichte mich der erste dieser Anrufe auf meinem Mobiltelefon. Stets verdächtig sind mir Anrufer mit unterdrückter Rufnummer. Warum auch immer ein Anrufer seine Identität verbirgt, er wird seinen Grund dafür haben. Noch verdächtiger sind allerdings unbekannte Anrufer, die ihre Telefonnummer gar nicht erst verbergen. Was können sie nur von mir wollen und warum nutzen sie die Möglichkeit der Rufnummernunterdrückung nicht?

Mein Telefon klingelt, eine mir nicht bekannte Rufnummer erscheint auf dem Display und entgegen meiner Gewohnheit nehme ich dieses Gespräch trotzdem an. Nicht dass mir danach wäre, mit einem mir unbekannten Gesprächsteilnehmer eine fernmündliche Konversation zu pflegen, ich habe nur keine Lust, schon wieder meinen Anrufbeantworter kostenpflichtig abzufragen. Am anderen Ende der Leitung spricht ein älterer Mann mit tiefer Stimme ein unverständliches Mischmasch aus einer mir fremden Sprache und einem sehr gebrochenem Deutsch zu mir. Ich kann ihn nicht verstehen und er versteht mich offensichtlich ebenfalls nicht. Nach zwei Minuten gebe ich auf und beende das Gespräch.

2.

Einige Tage später werde ich abermals von einem mir unbekannten Anrufer angerufen. Erneut nehme ich das Gespräch entgegen und es scheint derselbe Mann zu sein wie vor ein paar Tagen. Noch immer spreche ich seine Sprache nicht und auch seine Deutschkenntnisse haben zwischenzeitlich keine Fortschritte gemacht. Er sagt irgendetwas von Döner. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, weil der Mann irgendwie türkisch klingt. Inhaltlich nähern wir uns nicht weiter an als bei unserem ersten Versuch. Weiterlesen von ‘Ich bin nicht Murat’

Umverteilung von unten

Rote Flora, Hamburg

Heute vor dem besetzten Kulturzentrum einen Zehn-Euro-Schein gefunden. Ein bißchen zusammengefaltet lag er direkt vor meinen Füßen auf dem Boden. Was tun? Dr. Dr. Rainer Erlinger, der im Magazin der Süddeutschen Zeitung wöchentlich schwierigste Gewissensfragen zu beantworten pflegt, kann mir leider auf die Schnelle nicht weiterhelfen, da ich seine Handynummer gerade nicht zur Hand habe. Aufsammeln oder Liegenlassen, damit der nächste, der zufällig vorbeikommt, ihn an sich nimmt, um dafür zwei Schachteln Zigaretten oder fünf Liter Superbenzin kauft? Zigaretten sind ungesund und Autofahren ist schlecht für die Umwelt. Liegenlassen kommt also nicht in Frage, was mich vor die nächste schwierige Entscheidung stellt. Weiterlesen von ‘Umverteilung von unten’

Das Gegenteil von Kreativität

Erst vor einer Woche schrieb Textspeier, der auf seinem Blog täglich sprachakrobatische Kleinode veröffentlicht, dass man seine Inhalte böswillig geklaut habe. Wieder einmal hat jemand fremde Texte unter eigenem Namen veröffentlicht und keinerlei Hinweise auf den Urheber gegeben. Damals dachte ich noch, dass mir so etwas nicht passieren könne, nun ist es geschehen:


Screenshot des Fakeblogs Withoutdoubt!

Heute stieß ich zufällig auf das Copy-and-Paste-Blog Withoutdoubt!. Dessen Betreiberin (laut denic ist eine gewisse Claudia Kaempfe aus Reinbek bei Hamburg für die Inhalte der Domain verantwortlich) hat hier unter dem Pseudonym HappyNippon nicht nur diverse meiner Texte im Wortlaut übernommen und ohne Quellenangabe veröffentlicht, sondern auch Beiträge aus Die Rückseite der Reeperbahn, dem Hamburg vs. Berlin Blog, Fünf Filmfreunde, Mädchenblog und Spreeblick als die ihrigen ausgegeben. Weiterlesen von ‘Das Gegenteil von Kreativität’

Antiquariat

Antiquariat Warum Bücher immer nur bei amazon bestellen, die per Post liefern, die man nie erhält, weil man nie zuhause ist, wenn der Postbote mit dem Päckchen vor der Tür steht? Warum Bücher immer nur in der großen Filialbuchhandlung kaufen, wo es zwar hell und freundlich ist und Sofas bereitstehen und Kaffeeautomaten, die sogenannten Verkäufer jedoch keine Buchhändlerausbildung abgeschlossen haben, sondern von Zeitarbeitsfirmen zu Stoßzeiten vor Ostern und Weihnachten entsandte Söldner sind, die das flüchtige Studium der Klappentexte der Lektüre der dicken Wälzer von der ersten bis zur letzten Seite vorziehen? Warum Bücher immer in dem kleinen Buchladen um die Ecke kaufen, der immer nur die Titel aus der Bestsellerliste und sämtliche Biographien von Lady Diana vorrätig hat? Weiterlesen von ‘Antiquariat’

Jugendherberge

JugendherbergeKürzlich lag eine Kiwi auf unserem Frühstückstisch. Diese zur Gattung der Strahlengriffel zählende Frucht, welche auch als chinesische Stachelbeere bekannt ist, erinnerte mich an meine Kindheit. In der Zeit zwischen dem Erblicken des Lichts der Welt und der geschlechtlichen Reife erfolgten mehrere Aufenthalte in verschiedenen Jugendherbergen, die mich noch Dekaden danach gelegentlich in schweißbadenden Alpträumen verfolgen. Ob im nordfriesischen Tönning oder in Goslar im Harz, überall zeigten die Einrichtungen des Deutschen Jugendherbergswerks das gleiche Bild.

Die Herbergseltern begrüßen die Schulklasse. Die Herbergsmutter ist kräftig und hat sehr dicke Oberarme. Ihre Gesichtsfarbe ist sehr rot und deutet auf Bluthochdruck hin. Der Herbergsvater ist untersetzt, er trägt einen dunkelblauen Rollkragenpullover und raucht Pfeife. Eigene Kinder hat das Paar nicht. Ihnen sind die ständig wechselnden Schulklassen lästig genug und für die Bedienung der Industriegeschirrspülmaschine halten sie sich einen Zivildienstleistenden. Weiterlesen von ‘Jugendherberge’

Das letzte Mal

Den ersten Schock habe ich überwunden und mich mittlerweile an das allmorgendliche Fahrradfahren gewöhnt. Die Vorzüge dieses Transportmittels sind nicht zu übersehen. Statt mit bierdosenleerenden Bildzeitungslesern um die raren Sitzplätze in den Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs zu ringen, ist mir ein fester Platz auf dem Sattel garantiert. Darüber hinaus gibt es kein Transportmittel, das sich ökologisch und ökonomisch als so vorteilhaft erweist wie der von mir sehr geschätzte Drahtesel. Zudem ist auch die das Immunsystem stärkende Frischluftzufuhr nicht zu verachten.

Die tägliche, dank meiner kontinuierlich zunehmenden Durchtrainiertheit mit beschwingter Leichtigkeit zu bewältigende Wegstrecke führt mich bei stets strahlendem Sonnenschein am traumhaften Panorama der Außenalster vorbei, wo mir die entgegenkommenden Eichhörnchen und Joggerinnen freudig zuwinken. Gut ausgebaute Radwege mit komfortabler Breite erstrecken sich entlang der gesamten Route. Weiterlesen von ‘Das letzte Mal’