Haben Sie schonmal einen Roman geschrieben? So ein richtiges Werk epische Prosa? Ich meine jetzt keinen kleineren Beitrag für eine Anthologie oder einen Band zusammenhangsloser Kurzgeschichten oder gar einen Lyrikband voller Gedichte, die sich nicht reimen wollen und sollen, weil es gerade wieder einmal modern ist, Gedichte zu dichten, die sich auf gar keinen Fall reimen dürfen. Gedichte zu schreiben, die sich nicht reimen, das kann heutzutage wirklich jeder, weshalb es auch fast jeder tut. Aber so einen großen Entwicklungsroman zu verfassen, das ist wirklich ein ganz anderes Kaliber, das ist die Königsdisziplin. Ich schreibe übrigens gerade an meinem ersten Roman, das ist gar nicht so einfach, kann ich Ihnen sagen. Selbst für mich nicht. Man muss schon sehr diszipliniert sein, sich immer und immer wieder zu geistigen Höchstleistungen anzutreiben, und Momente der Muße zu finden, um der Kreativität freien Lauf zu lassen. Nur so kann ein Meisterwerk aufs Herrlichste gedeihen. Weiterlesen von ‘Haben Sie schonmal einen Roman geschrieben?’
Monatliches Archiv für Mai, 2007
Der Morgen des 22. Konzerts der Blumfeld Tour und des damit definitiv letzten Konzerts vor der Auflösung der Band begann in Hamburg mit einem heftigen Gewitter. “Ein Zeichen des Himmels?” fragt Jochen Distelmeyer, seit nunmehr 16 Jahren Kopf und Stimme der Gruppe, ein paar Stunden später, um es gleich im Anschluss zu verneinen. Schließlich glaube er nicht an Gott. Vielmehr glaubt er offensichtlich daran, dass es wichtig sei, ausreichend zu trinken, und reicht sogleich seine Wasserflasche ins dürstende Publikum. Die Hamburger Fabrik ist seit Wochen ausverkauft und sicher nicht zuletzt angesichts der langen Gästeliste stehen die Fans dichtgedrängt, um sich von Jochen Distelmeyer (Gesang, Gitarre), André Rattay (Schlagzeug), Vredeber Albrecht (Keyboard) und Lars Precht (Bass) zu verabschieden. Etwas später darf auch Gründungsmitglied Eike Bohlken für zwei Lieder aus der frühesten Schaffenszeit (Penismonolog, Zeittotschläger) wieder an den Bass. Im Hintergrund reicht Sterne-Bassist Thomas Wenzel nach fast jeden Lied eine andere, frischgestimmte Gitarre und darf im Hintergrund auch hin und wieder selbst in die Saiten greifen, was den Sound merklich erfrischt. Weiterlesen von ‘Blumfeld geben Abschiedskonzert – Kein Lied mehr’
Blümerant ist ein so wunderschönes Wort. Es ist eine Eindeutschung aus dem Französischen und bedeutet soviel wie bleu mourant, also sterbendes (blasses) Blau. Umgangssprachlich bedeutet es flau, unwohl, übel (ein -es Gefühl; mir ist ganz b. [zumute]) und ist leider vom Aussterben bedroht. Alleine deswegen wollte ich schon immer einen Beitrag schreiben, in dem es vorkommt, leider fiel mir bisher kein passender Kontext ein.
Seit heute ist es aber anders. Ich war gerade bei der Blutspende. Das ist normalerweise eine komplikationsfreie Angelegenheit. Man geht ins Krankenhaus, füllt einen Fragebogen aus, lässt sich einen halben Liter der roten Flüssigkeit aus den Adern zapfen und erhält anschließend als Aufwandsentschädigung eine überschaubare Menge Bargeld sowie ein gesundes Frühstück in Form eines Käsebrötchens, einer Knackwurst und eines Apfels. Ganz nebenbei tut man noch ein gutes Werk, indem man sein Blut denen spendet, die es gerade nötiger brauchen, und bereits nach kurzer Zeit gleicht der eigene Körper wie ein Wunder der Natur die fehlenden Zellen von allein wieder aus. Weiterlesen von ‘Blümeranz’
Ein älterer korpulenter Herr reiht sich in die Warteschlange vor dem Geldautomaten im marmorgeschmückten Foyer eines am Hamburger Jungfernstieg gelegenen Bankhauses ein. Er ist komplett schwarz gekleidet, trägt einen eleganten Hut italienischer Machart sowie auffällig große Kopfhörer und bewegt sich im Rhythmus der für sonst niemand hörbaren Musik.
Kurz bevor er an der Reihe ist, das Bargeld aus dem Automaten zu ziehen, sagt er:
“Ich bin erregt, an diesem Automaten gewinne ich immer.”
Dies erscheint mir einleuchtend. Der vermeintliche Glückpilz setzt vermutlich immer auf dieselben richtigen Zahlen.
Wie mittlerweile ein jeder weiß, gibt es Aktionstage wie Bier am Vatertag. Die zwei Kästen Astra, die der junge Mann hinter sich herzieht, dürften wohl ausreichen, um in dieser Runde für eine heitere Stimmung zu sorgen. Schließlich sind das bei 30 Knollen pro Kasten immerhin 3,96 Liter Bier für jeden.
Angesichts der zur Schau gestellten Hosenpracht wundert es mich nicht, wenn der seinen Ehrentag zelebrierende Vater nicht nur den Bollerwagen allein ziehen, sondern auch seinen Nachwuchs allein erziehen muss. Gegen ein ehrliches Astra habe ich trotzdem nichts einzuwenden, etwas zu feiern habe ich allerdings heute auch nicht.

Das da oben ist eine Kugelschreiberkritzelei, auf der ich trotz etwas krummer Nase zu erkennen bin. Mein Dank für dieses Meisterwerk gilt lady-kinkling.
Anders als der sonnige Titel dieses Beitrages vielleicht vermuten lässt, werde nicht ich mich in den nächsten Wochen in einem wohlverdienten Urlaub vergnügen, sondern habe zusammen mit Sven die Vertretung des Bloggerkollegen Stefan übernommen. Stefan weilt derzeit für gut drei Wochen in Vietnam und schreibt in seinem jovelblog normalerweise über Fußball, Internet und Münster (manchmal auch über Hamburg). Da es sich um Ehrenamt handelt, welches man bekanntlich nicht ablehnen darf, habe ich dort auch bereits ganz pflichtbewusst einen ersten Beitrag veröffentlicht. Weitere folgen in den nächsten Tagen. Ich wünsche Stefan von hier aus einen phantastischen Urlaub und gratuliere noch einmal ganz nebenbei zu seinem heutigen ersten Bloggeburtstag.

Foto: Der Toco
Zwei junge Mädchen, die knapp die Volljährigkeit erreicht haben dürften, reihen sich in die Warteschlange vor einem Tanzschuppen ein. Als sie sehen, dass der Eintrittspreis wegen einer dort aufspielenden Liveband deutlich über dem üblichen Niveau liegt, sagt eine von ihnen:
“10,- Euro? Dafür bin ich zu geil.”
Ich, als zur Generation Ü-30 zählender Beobachter dieser Szene, stellte mir daraufhin die folgende Frage: Ist das Fräulein ob des Erblickens des Eintrittspreises plötzlich derartig stark sexuell stimuliert, dass sie dem Tanz in einem Musikclub eine andere körperliche Aktivität vorzieht, oder hat sich gar ein Werbeschlagwort eines großen Elektronikhändlers in der Jugendsprache so sehr manifestiert, dass Geilheit fortan als Synonym für Geiz gewertet werden darf?
Anlässlich der heutigen Veranstaltung Reden über Kunst nutzte Daniel Richter die Gelegenheit, dem geneigten Besucher seiner Ausstellung Rede und Antwort zu stehen.
Erst so:
Foto: royal618
Der Niedergang der Bierkultur begann nicht etwa mit dem Ausverkauf der altehrwürdigen hanseatischen Brauerei in Bremen an einen Belgischen Industriebierhersteller, sondern bereits mit der großflächigen Verbreitung von goldenem Bier in transparenten Flaschen. Immerhin waren es damals noch Glasflaschen, aber diese Tatsache ändert nichts zum Guten.
Dass das herbe Pils mit seinem aromatischen Hopfenanteil immer mehr zu einer exotischen Erscheinung in einer Welt voller alkoholhaltiger Spaßgetränke verkommt, wurde mir endgültig klar, als ich mir kürzlich im Kino die Wartezeit bis zum Beginn des halbwegs anspruchsvollen Streifens mit dem Erwerb eines geeigneten Kaltgetränkes verkürzen wollte und die junge Dame vor mir folgende Bestellung aufgab: Weiterlesen von ‘Warteschlangengeschichten Teil 2′

Großes Presseaufgebot und sich gegenseitig auf die Füße tretende Besucher anlässlich der Eröffnung der Daniel Richter-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle.
Wieder einmal hat die Hansestadt Hamburg ein großes Kunstereignis zu feiern. Daniel Richter zeigt seit gestern erstmalig in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle im Rahmen einer großen Werkschau Bilder aus den letzten zwölf Jahren seines Schaffens. Die Farbe des jüngsten Werkes ist noch nicht einmal getrocknet, da es erst zwei Tage vor Eröffnung der Ausstellung fertiggestellt wurde, aber die Medien haben sich bereits im Vorfeld mit Berichten überschlagen. Wie Kurator Christoph Heinrich in seiner auf den Punkt gebrachten Rede ganz richtig bemerkte, ging es bei der Berichterstattung tatsächlich viel weniger um die Frage “Warum ist das eigentlich gute Kunst?”, sondern vielmehr um den glamourösen Aufstieg des Mittvierzigers. Auflagesteigernd lässt sich Richters Geschichte erzählen, die im alternativen Milieu der besetzten Hafenstraße beginnt und ihren vorläufigen Höhepunkt in der aktuellen Ausstellung in der ehrwürdigen Hamburger Kunsthalle findet. Nicht unerwähnt bleiben darf dabei natürlich, dass die Bilder des Meisters mittlerweile Höchstpreise von 500.000 Euro erreichen, er in Hamburg wohnt und in Berlin sein Atelier hat, nebenbei noch ein Plattenlabel besitzt und ganz junger Vater ist. Weiterlesen von ‘Daniel Richter Superstar’

bosch ist ein exklusives Kunstwerk. Nur eine Minute lang.
Ist es Kunst, für eine Minute ein Brett auf dem Rücken zu tragen, sich an eine Wand zu lehnen und dabei politisch unkorrekt in der Nase zu bohren oder den Kopf in einen Kühlschrank zu stecken? Eindeutig ja. Im Rahmen der von dem österreichischen Künstler Erwin Wurm gestalteten One Minute Sculptures kann jedermann mit ganz einfachen Hilfsmitteln den kreativen Prozess vervollständigen und sich für kurze Zeit in ein Kunstwerk verwandeln. Wie sehr das rockt, hat bereits die kalifornische Band Red Hot Chili Peppers in ihrem Musikvideo zu Can’t Stop vorgemacht, welches von den Skulpturen Erwin Wurms inspiriert wurde. Weiterlesen von ‘Erwin Wurm macht aus bosch ein Kunstwerk’






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