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Let’s go home

Freitagnachmittag, die HafenCity ist so gut wie leer. Nicht einmal die obligatorischen Touristenmassen schieben sich heute an den Stahl- und Glaskonstruktionen dieses künstlichen Stadtteils, der wirkt wie sein eigenes Modell im Maßstab 1:1, entlang. Drei nicht zu übersehende Flaggen kündigen eine Ausstellung in einem noch nicht bezogenen Bürogebäude an. Während sich im Gängeviertel, das sich nur wenige hundert Luftlinienmeter entfernt befindet, die Künstler ihren Raum gesucht haben, wird er hier vom Immobilieninvestor bereitgestellt. Doch niemand scheint sich — im Gegensatz zum besetzten Gängeviertel — dafür zu interessieren; wir sind die einzigen Besucher.

“Let’s go home” lautet der Titel der Gruppenausstellung, die noch bis zum 6. Dezember zu sehen sein wird: Ein von Neonröhren beleuchteter Kahn, ein paar Koffer voller Puppen, Fotografien privilegierter russischer Kinder, ein “Seifenprojekt”, ein Haufen überdimensionierter Streichhölzer, eine matte Discokugel. Das alles und einiges mehr auf einer Fläche von über 800 qm, kuratiert von Charlotte Friling. Bei einer ersten Sichtung der Werksammlung erscheint die thematische Klammer “Zuhause” keinesfalls offensichtlich; nach einem Blick in den Katalog und ein paar erläuternden Worten ist man etwas klüger.

Ein Besuch schadet nicht, der Eintritt ist kostenlos — und in der HafenCity gibt es ansonsten ohnehin nicht viel Sehenswertes. Dass ausgerechnet an diesem tristen Ort eine Ausstellung mit dem Titel “Let’s go home” zu sehen ist, erscheint da nur konsequent.

Thomas Demand — Nationalgalerie

Der Katalog zur Ausstellung

Der Katalog zur Ausstellung

Potsdamer Straße 50, Berlin. Es regnet. Neue Nationalgalerie, erbaut nach den Plänen von Ludwig Mies van der Rohe. Strenge Architektur: Stahl und Glas. In der oberen Etage Fotografien von Thomas Demand.

Etwa vierzig überwiegend großformatige Arbeiten. Keine normalen Fotografien, sondern Abbildungen von Modellen im Maßstab 1 zu 1. Nachgebaut aus Pappe, zusammengehalten von UHU Alleskleber, fotografiert, danach unwiderbringlich zerstört. Der Titel der Ausstellung: Nationalgalerie — genau wie das Gebäude. Alles Größenwahn? Irgendwie schon. Alles großartig? Ganz bestimmt.

Die Motive: Stationen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Kulisse von Robert Lembkes Rateschaustutio, Uwe Barschels Badewanne, die gestürmte Stasi-Zentrale u. a. Jedem Bild vorangestellt: Ein Text von Botho Strauß. Diese manchmal irreführend, allesamt lesens- und nachdenkenswert.

Die Atmosphäre: kühl. Die Museumsaufsicht: streng und unfreundlich; möglicherweise rekrutiert aus den Reihen ehemaliger Mauerschützen. Der Katalog: 35,— Euro, kaufen. Ausstellung bis zum 17. Januar 2010: unbedingt hingehen.

Bilder einer Ausstellung

Einen Tag, bevor eine Ausstellung in einem Hamburger Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, haben die Freunde des jeweiligen Hauses die Gelegenheit, diese vorab ganz exklusiv zu besichtigen. Der Herr Direktor lädt ein und die ohnehin freien Eintritt genießenden Förderer der Kunsthalle stürmen die Räume, als gäbe es kein Morgen, obwohl gewöhnlich nicht einmal ein kostenfreies Gläschen des billigen Sektes oder ein paar darmverklebender Weißbrotschnittchen mit Lachs gereicht werden.

Überwiegend ältere Damen mit sorgfältig onduliertem Haar sowie die dazugehörigen Ehegatten, welche natürlich noch älter sind und daher gern auf einem mitgebrachten kleinen Klappstuhl, wie ihn sonst nur Angler und Melker werwenden, sitzen, kleben geradezu an den Lippen des etwas zu leise und viel zu schnell redenden Herrn Direktors. Weiterlesen von ‘Bilder einer Ausstellung’