Tag Archiv für 'Essen und Trinken'

Wohne Orte #8

blumen-pola

Glutamat

 

Der Reis köchelt stundenlang vor sich hin, die Currygerichte sind nicht nur fad gewürzt, sondern auch noch fettig. Die Hauptzutat aller Speisen ist Glutamat.

Das Ladenlokal ist leer, noch. Den Blick ins Innere verhindern provisorisch in die Scheiben geklebte Bilder des Taj Mahals sowie Bilder von der Speisekarte – vermutlich die Nummern 11 und 37 (appetitlich angerichtet, ein Meisterwerk des Fooddesigns) – und noch einmal das Taj Mahal. An der Tür klebt ein Schild, das verrät: “Hier eröffnet demnächst ein indisches Fastfood-Restaurant.”

Zuvor befand sich in diesen Räumlichkeiten die Filiale einer amerikanischen Burgerbräterei. Früher gab es hier Geschmacksverstärker mit Rind, bald gibt es Geschmacksverstärker ohne Rind. Jeder geschlossene McDonald’s ist ein guter McDonald’s, denke ich im Vorübergehen. Bald kommt der Inder: Glutamat, Glutamat, Glutamat – ich liebe es.

bosch backt Buchteln – mit Rezept

Heute gibt es Buchteln. Buchteln sind ungefüllte Hefeknödel, die im Ofen gebacken werden. Sie sind eine Spezialität der böhmischen Küche und äußerst lecker. Um auch Dich an dieser kulinarischen Freude teilhaben zu lassen, gibt es hier erstmalig eine abgeschlossene Buchtel-Foto-Story. Man braucht folgende Zutaten fürs Glück:

Zutaten

  • 500 g Weizenmehl
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 50 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • ein paar Tropfen Zitrone (es geht aber auch ohne)
  • 1 Prise Salz
  • 250 ml warme (!!!) Milch
  • 75 g flüssige Butter
  • 1 Ei

Und all das gibt man dann in eine Schüssel, die groß genug sein sollte, damit auch die eigenen Hände noch Platz darin finden. Diese werden zwar nicht mit dem Teig zusammen verarbeitet, dienen aber dem unabdingbaren Knetvorgang desselben. Weiterlesen von ‘bosch backt Buchteln – mit Rezept’

Montagscafé

Heute ist Dienstag. Dienstage sind ganz okay, jedenfalls besser als Montage. Montage taugen nicht viel. Beenden sie doch stets viel zu kurze Wochenenden und führen einen zurück in die unvermeidliche Konfrontation mit den Unzulänglichkeiten des Alltags. Aber weder das zu früh und zu lautstark ertönende Klingelgeräusch des Weckers noch überfüllte öffentliche Verkehrsmittel, in denen transpirierende Menschen dicht an dicht gedrängt befördert werden, oder gar die Absurditäten des Arbeitslebens sind das Schlimmste am Beginn der Woche. Das Schlimmste an Montagen ist, dass mein Stammcafé seinen wöchentlichen Ruhetag einlegt.


Café du passage, montags leider geschlossen

Ausgerechnet am Montag, der sich bekanntlich viel angenehmer als verlängertes Wochenende genießen ließe, ist das geschätzte Café du passage geschlossen. Nicht dass ich den Besitzern sowie dem freundlichen Personal einen wohlverdienten Ruhetag nicht gönnte, haben sie ihn sich doch durch den engagierte Betrieb der charmanten Großstadtoase redlich verdient. Es ist vielmehr so, dass mir der Entzug nicht bekommt. Weiterlesen von ‘Montagscafé’

Trinken auf Rädern

Vor ein paar Tagen hatte ich bereits das Vergnügen, an dieser Stelle ein Bild eines amüsanten Biertransporters zu veröffentlichen. Zwischenzeitlich hatte ich die Gelegenheit, einen ebenfalls in diese Reihe passenden mobilen Schankstand abzulichten, welchen ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte:

Trinken auf Rädern

Ein lustiger Begleittext zu diesem Photo fällt mir leider im Moment nicht ein, aber das Bild spricht ja auch für sich. In diesem Sinne: Prost!

Café unter den Linden

flickr: Café unter den Linden

Etwas abseits der belebten Schanzenpiazza, wo Mädchen mit tellergroßen Sonnenbrillen bekleidet Milchkaffee aus Gläsern trinken, den sie Galão nennen, liegt an einer ruhigen kopfsteingepflasterten Straßenkreuzung das Café unter den Linden. Dort, wo ich in meiner Jugend den ersten Milchkaffee aus der Schale trank und den Übergang vom Speiseeis zum Kuchen meisterte, bin ich bis heute hängengeblieben. Am exzellenten Service kann es nicht liegen. Fast glücklich darf sich schätzen, wer die Gelegenheit erhält, eine Bestellung aufzugeben; eine Audienz beim Papst dürfte einfacher zu erlangen sein. Die Betreiber haben es geschafft, ausschließlich charmant-verpeilte Leute für ihre Servicecrew zu rekrutieren, denen man es allerdings kaum übelnehmen kann, übersehen zu werden oder genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich bestellt hat, geliefert zu bekommen. Ganz sicher hat dies System, andernfalls wäre eine solche Homogenität und die Tatsache, dass sich auch der Servicenachwuchs perfekt in das Servicekonzept einpasst, nicht zu erklären. Ebenfalls zu monieren wäre, dass es dem Personal gelingt, den Innenraum, der sich im vorderen Teil durch einen 50er-Jahre-Eisdielen-Stil und im hinteren Teil durch gemütliche Lederbänke gekennzeichnet auszeichnet, meist mit nervraubender und unpassender Musik, oft elektronischer Art, zu beschallen. Weiterlesen von ‘Café unter den Linden’

Der Duft des roten Bullen

flickr: Red Bull
Foto: DogFromSPACE

Kaum ein olfaktorischer Reiz ist mir so zuwider wie der eines angeblich flügelverleihenden alpenländischen Energiegetränks. Warum decken Menschen ihren Koffeinbedarf nicht, indem sie eine Tasse Kaffee oder schwarzen Tee zu sich nehmen? Warum decken sie ihren Zuckerbedarf nicht, indem sie massenweise Würfelzucker in sich hineinstopfen? Warum decken sie ihren Flüssigkeitsbedarf nicht, in dem sie ganz einfach ein Glas wohltemperiertes Wasser, meinetwegen auch mit Zusatz von Kohlensäure, zu sich nehmen?

Warum nur muss es immer und überall dieses aufdringliche und übermäßig süß stinkende Weichgetränk aus der blau-silbern schimmernden Aluminium-Einwegdose sein, das bei mir, sobald deren Verschluss geöffnet wird, einen unaufhaltsamen Brechreiz auslöst?

Ich bin der Bringer

flickr: Ich bin der Bringer!

Das gute Astra, welches mit Liebe im Herzen Hamburgs gebraut wird, ist bekannt für seine humorvolle Werbung. Aber nicht nur die Plakatwerbung ist großartig, sondern auch die Lieferwagen der Bavaria-St. Pauli-Brauerei machen einiges her. Es gibt noch weitere Transporter mit der Aufschrift “ICH FAHR’ NICHT RUM, SONDERN ASTRA.”; diese sind mir jedoch leider nie vor die Linse gefahren. Weiterlesen von ‘Ich bin der Bringer’

Alleinziehender Vater

Alleinziehender Vater. Astra. Was dagegen?

Wie mittlerweile ein jeder weiß, gibt es Aktionstage wie Bier am Vatertag. Die zwei Kästen Astra, die der junge Mann hinter sich herzieht, dürften wohl ausreichen, um in dieser Runde für eine heitere Stimmung zu sorgen. Schließlich sind das bei 30 Knollen pro Kasten immerhin 3,96 Liter Bier für jeden.

Angesichts der zur Schau gestellten Hosenpracht wundert es mich nicht, wenn der seinen Ehrentag zelebrierende Vater nicht nur den Bollerwagen allein ziehen, sondern auch seinen Nachwuchs allein erziehen muss. Gegen ein ehrliches Astra habe ich trotzdem nichts einzuwenden, etwas zu feiern habe ich allerdings heute auch nicht.

Duplobaum

Duplo Zartbitter

Bei meinem heutigen Kleineinkauf entdeckte ich ein Produkt, von dem ich schon immer geträumt habe. Die wahrscheinlich längste Praline der Welt steht jetzt für vorübergehende Zeit in einer “Limited Edition” in einer köstlichen Zartbittervariante in den Supermarktregalen. Ich ziehe eine Bitterschokolade der Vollmilch geschmacklich stets vor. Man kann das tun, muss es aber nicht. Ich bin Vollmilchliebhabern gegenüber übrigens tolerant. Dass den dunklen Sorten aufgrund ihres hohen Anteils an Antioxidantien eine schützende Wirkung auf das Herzkreislaufsystem zugesprochen werden, ist lediglich ein willkommender Nebeneffekt. Aufgrund ihres geringeren Zucker- und Milchanteils jedoch von “magermachender Schokolade” zu sprechen, wie dies mein Herr Vater zu tun pflegt, halte ich indes für einen Euphemismus.

Die Wurzel meiner Zuneigung zu dem lediglich 18,2 Gramm schweren Schokoriegel liegt, wie so viele Eigenheiten des menschlichen Wesens, in meiner Kindheit begründet. Im Gegensatz zu meinen Eltern war ich kein begeisterter Spaziergänger oder gar Wandersmann. Dies lag nicht nur daran, dass ich nicht gern wanderte, sondern auch daran, dass ich im zarten Kindesalter von etwa vier Jahren mit Recht noch nicht als Mann bezeichnet werden konnte. Um auch mich ein wenig an des Müllers Lust teilhaben zu lassen, machten mir meine Eltern Spaziergänge schmackhaft, indem sie mir versprachen, die Streckenführung vorbei am sogenannten Duplobaum zu legen. Mein Vater eilte dann regelmäßig unbemerkt einige Schritte voraus, um ein Duplo in immer demselben Baum für mich gut erreichbar zu platzieren. Lange Zeit hatte ich an dieser besonderen Ernte, welche meiner Wanderslust Lebensgeister einhauchte, große Freude und glaubte fest daran, dass auf diesem Baum Duplos wüchsen.

Wurstbrief zum Valentinstag

Kürzlich bat mich ein Freund, während seiner urlaubsbedingten Abwesenheit alle drei bis vier Tage seine Blumen zu gießen. Eigentlich habe ich es nicht so sehr mit der Botanik. Im Prinzip bin ich für eine derartig vertrauensvolle Aufgabe ein denkbar ungeeigneter Kandidat. So warnte ich meinen Freund, dass nach unzähligen gescheiterten Begrünungsversuchen in meinem Haushalt lediglich sehr selten zu bewässernde Hydrokulturen eine Heimat fänden, da mein Umgang mit pflegebedürftigeren Pflanzengattungen auf ganzer Linie gescheitert sei. Nachdem die Wasserstandsanzeige meiner in Blähton gebetteten Zierpflanzen das Zeitliche segnete, hatten auch diese keine Daseinsgrundlage mehr. Der kleine rote Wasserstandsindikator rührte sich nicht mehr, was das Todesurteil für die gummibaumartigen Gewächse bedeute, während auch auf der Küchenfensterbank die Kakteen bis zu ihrem traurigen Ende vor sich hin dörrten.

Nun ist es bekanntlich so, dass sich an einem jeden 14. des Monats Februar der sogenannte Valentinstag jährt. Diese Tradition wird auf die Sage des Bischofs Valentin von Terni zurückgeführt, der einige Verliebte, darunter auch Soldaten, die nach kaiserlichem Befehl unverheiratet bleiben sollten, heimlich christlich getraut und ihnen zu diesem Anlass Blumen aus seinem Garten geschenkt haben soll. Valentin von Terni lebte im dritten Jahrhundert nach Christus und konnte nicht ahnen, dass ihm einige hundert Jahre später die Ehre zuteil werden würde, posthum mit dem großen Marketingorden am Band des Deutschen Floristen- und Raumbegrünungs-Hauptverbandes ausgezeichnet zu werden. Noch heute denken zahlreiche einander zugeneigte Menschen seiner und beglücken sich am Valentinstag gegenseitig mit den üppigsten Blumenpräsenten, dabei stets beteuernd, dass dieser Tag nicht, wie so viele Unwissende glauben, eine Erfindung der Floristenindustrie sei, sondern auf eine lange Tradition zurückgehe. Weiterlesen von ‘Wurstbrief zum Valentinstag’

Saal II

Neuerdings wird der Boden von dunkelbraunem Parkett geziert. Sonst ist alles wie immer in der früheren Bäckerei am Schulterblatt, dieselben Kacheln wie seit geschätzten hundert Jahren. Die Ganztagsfrühstücker nehmen die Jazzmusik im Hintergrund kaum noch wahr. Meistens läuft britischer Indierock oder Hamburger Schule. Die Bedienungsdamen legen zur Abwechslung hin und wieder die Best-of-Platte von Paolo Conte auf. Es gibt keinen WLAN-Empfang und nur selten klappt ein schrägfrisierter Ringelpulloverträger seinen mit einem stivollen Apfel verzierten Tischrechner auf. Weiterlesen von ‘Saal II’