Tag Archiv für 'Konzert'

Massoud Godemann Trio

Montagabend in der Kantine des Deutschen Schauspielhauses. Zwar riecht es nach Bratfett, doch ist es die Musik, die Luft zum Kochen bringt. Gitarre, Kontrabass, Schlagwerk — jahrelang aufeinander eingestimmt: Dialoge, Trialoge. Jedes Mal neu, jedes Mal ein Erlebnis.

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Der Link zur Musik: massoudgodemann.de
Massoud Godemann auf YouTube

Jochen Distelmeyer solo

Jochen Distelmeyer am 30.08.2009 auf Kampnagel, Hamburg

Das Warten hat ein Ende. Seit dem allerletzten Blumfeld-Konzert am 25. Mai 2007, fragten sich alle Anhänger der Gruppe, wie es wohl weitergehen würde. Nun endlich meldet sich Jochen Distelmeyer solo und mit neuer Band zurück. Einen ersten Liveeindruck gab es gestern auf Kampnagel, Hamburg. Es war ein wunderbares Konzert.

Jochen Distelmeyer brachte natürlich auch die guten alten Lieder zu Gehör. Viele davon klangen überraschend frisch. Vor allem aber die neuen Songs lassen hoffen. Ich jedenfalls bin voller Vorfreude auf seine erste Solo-Platte. “Heavy” erscheint am 25.09.2009.

Weitere Links:

  • Homepage von Jochen Distelmeyer
  • Video zu “Wohin mit dem Hass” auf spreeblick.com
  • Blogbeitrag von Johannes Waechter (SZ Magazin)
  • Artikel aus dem Hamburger Abendblatt vom 28.08.2009
  • Konzertbericht vom Melt-Festival auf Monarchie & Alltag (taz)
  • Konzertbericht aus Essen auf rp-
  • Bericht über das Hamburger Konzert auf eskalaparty.de

Keine Blogparade: Der Soundtrack meines Lebens

Hammerklavier Trio feat. Torsten Goods in der Ponybar, Hamburg, am 11.02.2009

Da lob ich mir ein Stück Musik von Hand gemacht,
Noch von einem richt‘gen Menschen mit dem Kopf erdacht,
‘ne Gitarre, die nur so wie ‘ne Gitarre klingt,
Und ‘ne Stimme, die sich anhört, als ob da jemand singt.
(Reinhard Mey)

“Digital ist besser” sangen Tocotronic einst etwas diffus. Nicht dass Musik aus Nullen und Einsen keine Kunst wäre, aber so eine richtige Gitarre, sei sie auch noch so schrammelig, oder ein agogisches Schlagzeug, sei es auch noch so schleppend oder drängend, ist doch durch nichts zu ersetzen. Müsste ich mich zwischen einem Reinhard-Mey-Konzert und einer Techno-Party entscheiden, ich wüsste sofort, wofür. Zum Glück gibt es Alternativen.

Dennoch kann auch ich leider nicht von mir behaupten, den guten Musikgeschmack mit der Muttermilch aufgesogen zu haben: in meinem Elternhaus befanden neben wenigen konservierten Musikperlen vor allem Größte-Erfolge-Kompilationen von Neil Diamond bis Alexandra, eine leiernde Grönemeyer-LP, Ravels Bolero sowie ein Tonbandgerät, mit dem hin und wieder Musik aus Radiosendungen mitgeschnitten wurde. Ich bin vermutlich der erste in meiner Familie, der ein Musikinstrument erlernt hat (Gitarre, zunächst klassisch, dann leidlich Jazz) und trotzdem haben mich – wie sicher die meisten anderen Menschen – auf meinem Lebensweg auch Lieder begleitet, bei deren Ertönen ich heute am liebsten im Erdboden versänke. Als Kind bereitete mir “Major Tom” (allerdings der von Peter Schilling und nicht der von David Bowie) viel größere Freude als “Kind of Blue”.

In unregelmäßiger Reihenfolge werde ich in diesem Weblog Stücke aus dem “Soundtrack meines Lebens”, wie es in einer Zeitschrift, die ursprünglich für Menschen, die eigentlich erwachsen werden sollten, gemacht wurde, so schön heißt. Ich bin kein Freund der Hit- und Blogparaden, dennoch würde ich mich freuen, wenn sich der eine oder andere Blogger fände, der seine Lieder vorstellte. Dies ist keine Pfeife, dies ist kein Liebeslied und dies ist keine Blogparade.


Teil 1: Peter Schilling – Major Tom
Teil 2: The Beatles – You’ve Got To Hide Your Love Away
Teil 3: Rolling Stones – Sympathy For The Devil
Teil 4: Tocotronic – Das Unglück muss zurückgeschlagen werden
Teil 5: Pat Metheny – Bright Size Life

Biréli Lagrène & Sylvain Luc in Hamburg


Biréli Lagrène und Sylvain Luc

Freitagabend im Rolf-Liebermann-Studio des Norddeutschen Rundfunks: Auf der Bühne: zwei Männer, zwei Gitarren; nichts weiter. Scheinbar unabhängig voneinander beginnen sie das Konzert; wie vereinzelte Schneeflocken rieseln die Töne in den Raum, und erst nach einigen Minuten klar, wohin die Reise geht. Das Thema von Bobby Hebbs’ Sunny ertönt; im Laufe des Abends folgen weitere bekannte Melodien: Antonio Carlos Jobims Bossa Nova Wave sowie die Jazz-Standards All The Things You Are und Autumn Leaves werden gespielt. Zahlreiche – schon längst verbrauchte – Klassiker erklingen hier in wundervoll raffinierten, nie gehörten Arrangements. Technisch und musikalisch sind dem Duo keinerlei Grenzen gesetzt. Beide Gitarristen sind einander seit vielen Jahren vertraut, und leicht fällt es ihnen, auf ihren Duopartner spontan zu reagieren. Immer wieder entlocken sie ihren Akustikgitarren unvermutete Klangeffekte: mal wird aus dem Korpus ein Perkussionsinstrument, mal wird eine Saite während des Spiels geschickt zum Bass heruntergestimmt. Aus tausendmal gehörten Herbstblättern wird ein Tango, der sich sogleich in ein Menuett wandelt. Im Funk sind Biréli Lagrène und Sylvain Luc genauso zuhause wie im Blues. Natürlich dürfen auch einige der Eigenkompositionen ihres famosen 2002 erschienenem Album Duett nicht fehlen, bis sie schließlich ihren gefeierten Auftritt nach gut 75 Minuten mit Stevie Wonders Isn’t She Lovely beenden. Nur selten kann man auf der Gitarre Virtuosität und Musikalität so sehr vereint sehen wie an diesem Abend. Biréli und Silvain – ihr wart großartig; vielen Dank dafür.

Dann die Pause: Während das Abo-Publikum routiniert zum kalten Buffet stürzt, ereifert sich eine ältere Dame im gnatterigen Ton: “Das war nur etwas für Gitarristen. Und richtig zusammengespielt haben die auch nicht.”  Die Erkenntnis, was es mit dem Wunder der Polyrhythmik auf sich hat, wird ihr leider vermutlich auf ewig verwehrt bleiben.

In der zweiten Hälfte des Abends ging das musikalische Niveau rasant bergab. Die NDR Bigband gab unter ihrem neuen musikalischen Leiter Jörg Achim Keller Eigenkompositionen der Ensemblemitglieder zum Besten. Kompositionen mit sperrigen Namen wie Das Gerüst oder Die Maus ist tot, es lebe die Maus entpuppten sich als einfältige Werke zwischen gewollt atonal und Fahrstuhlmusik. So zeigte sich die Bigband enttäuschend weit unter ihren Möglichkeiten und klang leider untypisch: öffentlich-rechtlich.

Wenn es am Schönsten ist, sollte man aufhören, heißt es. Das galt auch für dieses Doppelkonzert.

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Weiterführende Links:

Gästeliste


Es handelt sich zwar lediglich um einen reservierten Tisch,
aber irgendwie passt das Bild trotzdem ganz gut.

Gästelisten sind eine gute Sache, besonders wenn der eigene Name darauf steht. Zeigt dies doch, dass man bei einer Veranstaltung ein gerngesehener Gast ist und entbindet es elegant von der Entrichtung des regulären Eintrittspreises. Man nennt am Eingang lediglich seinen Namen, und es wird einem in der Regel kurzerhand komplikationslos Zutritt gewährt.

Angenommen, mein richtiger Name lautete Emil Stockfisch, so empfiehlt es sich, mich unter diesem Namen auf die Liste zu setzen. Alternativ könnte man, so man sich meines tatsächlichen Namens beim besten Willen nicht erinnern kann, auch mein Pseudonym bosch an der Tür hinterlassen. Kompliziert wird es indes, wenn man mich unter der Bezeichnung Emil Bosch auf die Liste setzt. Unter dieser Kombination bin ich nämlich niemandem bekannt – nicht einmal mir selbst. Und ein heiteres Gästelistennamenraten schätzen die Damen und Herren von der Tageskasse, wie ich kürzlich feststellen durfte, überhaupt nicht.

Erdmöbel in Hamburg am 30.09.2007 im Uebel & Gefährlich

Erdmöbel, Konzert am 30.09.2007 in Hamburg, Uebel & Gefährlich

Denkt man als Hamburger an Köln, so fallen einem lediglich BAP, Kardinal Meisner und schales Bier aus Reagenzgläsern ein. Dabei gäbe es bei weitem sympathischere Botschafter der Domstadt am Rhein, nur kennt sie leider fast niemand. So versammelten sich gestern Abend im Club Uebel & Gefährlich auch eher nur 100 als die sicherlich verdienten 1000 Zuschauer, um der wunderbaren Musik der adrett in Anzug und Krawatte erschienenen Herrencombo zu lauschen. Denken die Erdmöbel, die am Vortag ein Konzert in Münster bestritten, an die Hansestadt im Norden, so fällt ihnen als erstes ein, dass sie gern hier spielten, da Hamburg fern genug der Heimat liegt, so dass ihre Eltern nicht im Publikum weilen.

Was geht, Muschikatz?, eine Coverversion des Tom Jones-Hits What’s New, Pussycat? eröffnete im beschwingten 3/4-Takt das Konzert. Bereits 2005 zeigte die Kölner Band auf ihrer Platte Für die nicht wissen wie, dass es ihnen mit fabelhafter Leichtigkeit gelingt, internationale Klassiker wie Burt Bacharachs Close To You, Anfang der 70er Jahre ein Erfolg der Carpenters, geschmackvoll ins Deutsche zu übertragen und im eigenen Erdmöbel-Sound, einer Mischung aus Melancholie und Easy-Listening, zu präsentieren. Weiterlesen von ‘Erdmöbel in Hamburg am 30.09.2007 im Uebel & Gefährlich’

Blumfeld geben Abschiedskonzert – Kein Lied mehr

Blumfeld Abschiedskonzert am 25.05.2007 in der Fabrik, Hamburg

Der Morgen des 22. Konzerts der Blumfeld Tour und des damit definitiv letzten Konzerts vor der Auflösung der Band begann in Hamburg mit einem heftigen Gewitter. “Ein Zeichen des Himmels?” fragt Jochen Distelmeyer, seit nunmehr 16 Jahren Kopf und Stimme der Gruppe, ein paar Stunden später, um es gleich im Anschluss zu verneinen. Schließlich glaube er nicht an Gott. Vielmehr glaubt er offensichtlich daran, dass es wichtig sei, ausreichend zu trinken, und reicht sogleich seine Wasserflasche ins dürstende Publikum. Die Hamburger Fabrik ist seit Wochen ausverkauft und sicher nicht zuletzt angesichts der langen Gästeliste stehen die Fans dichtgedrängt, um sich von Jochen Distelmeyer (Gesang, Gitarre), André Rattay (Schlagzeug), Vredeber Albrecht (Keyboard) und Lars Precht (Bass) zu verabschieden. Etwas später darf auch Gründungsmitglied Eike Bohlken für zwei Lieder aus der frühesten Schaffenszeit (Penismonolog, Zeittotschläger) wieder an den Bass. Im Hintergrund reicht Sterne-Bassist Thomas Wenzel nach fast jeden Lied eine andere, frischgestimmte Gitarre und darf im Hintergrund auch hin und wieder selbst in die Saiten greifen, was den Sound merklich erfrischt. Weiterlesen von ‘Blumfeld geben Abschiedskonzert – Kein Lied mehr’

Blumfeld? Machen die nicht irgendwas mit Hip Hop oder Techno?

Blumfeld in der Fabrik, Hamburg, am 05.01.2007

Gestern fand in der Ottensener Fabrik zum vierten Mal das Benefiz für jugendliche unbegleitete Flüchtlinge statt, welches von Lisa Politt initiiert wurde. Weiterlesen von ‘Blumfeld? Machen die nicht irgendwas mit Hip Hop oder Techno?’

Morrissey in Hamburg, 18.12.2006, Color Line Arena

Morrissey in Hamburg, 18.12.2006, Color Line Arena

Schon vor längerer Zeit war ich dem Irrglauben verfallen, dass Konzerte eigentlich überflüssig seien. Der künstlerische Prozess ist im Prinzip nach Text und Komposition der Lieder sowie Abgabe des Albums abgeschlossen. Wozu dann das Werk noch einmal für die Bühne reproduzieren? Dieses mal war aber alles anders. Schon lange freute ich mich nicht mehr so sehr auf ein Konzert wie auf dieses – und wurde mit einem großartigen Ereignis belohnt. Weiterlesen von ‘Morrissey in Hamburg, 18.12.2006, Color Line Arena’