Tag Archiv für 'Zeitung'

Gerhard Schröder: gefragt wie selten


(aus “Welt am Sonntag” vom 14. September 2008)

Die meisten Sonntagszeitungen haben einen eher unterhaltenden Charakter, sind jedoch meist überflüssig. Das Springer-Blatt “Welt am Sonntag” war gestern sogar unschlüssig:

Während auf der einen Seite sowohl Sozialdemokraten als auch Bosse und Stars den Altkanzler umjubeln und vor dessen “unheimliche Rückkehr” gewarnt wird, ist er ein paar Seiten später längst in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken.

boschblog.de meint: Die “Welt am Sonntag” brauchen wir noch weniger als eine Rückkehr des Gerhard S. Wen wundert es, dass sich vor allem die jungen Leser von Zeitungen abwenden.

Fußball und Gammelfleisch

In der Ausgabe vom 8. Februar 2008 berichtete die Süddeutsche Zeitung über einen “Strahlenangriff von der Tribüne”. Irritierende Lichtreflexe hielten plötzlich die Helden der Deutschen Fußballnationalmannschaft bei einem Länderspiel gegen Österreich vom Toreschießen ab. Bernd Schneider, Jens Lehmann, Bastian Schweinsteiger und Manuel Friedrich – allen wurde grün vor Augen. Die Moderatoren Günter Netzer und Gerhard Delling hatten sofort die passende Antwort: “Da versucht doch tatsächlich jemand mit einer Laserpistole den Schützen abzuhalten.”

Nur wenige Seiten weiter fand sich in derselben Ausgabe der Zeitung der Artikel “Mit der Laserpistole gegen Gammelfleisch”.

Ob es einen Zusammenhang zwischen der neuen Methodik, die verdorbene Lebensmittel kenntlich macht, und der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft gibt, konnte auch das versierte Moderatorenduo nicht erklären. Möglicherweise zielten nicht fanatische Fußballfans auf die Spieler, sondern österreichische Lebensmittelkontrolleure gingen lediglich ihrer Pflicht nach.

Immerwährende Themen

Weihnachtsmarkt
Photo: adactio

Regionalzeitungsredakteur müsste man sein. Dann gingen einem die Themen niemals aus, selbst wenn man nicht in Berlin, Hamburg oder München tätig ist, sondern in Castrop-Rauxel oder Buxtehude schafft. Ein Blick auf das Kalenderblatt, ein zweiter auf das Thermometer und schon sind auskömmliche Auflagenzahlen garantiert.

So wie jetzt, Anfang Dezember, wenn sich alle Jahre wieder nicht nur die Türen der Adventskalender öffnen, sondern auch die zahllosen Weihnachtsmarktsbudenbetreiber hektoliterweise minderwertige Weinerzeugnisse mit geheimnisvollen Gewürzmischungen versetzen, und diese dann so stark erhitzen, bis kaum noch ein Konsument dieses Gebräus bemerkt, wie unerbittlich dieser gaumenbeleidigende Brauch die letzten verbliebenen Geschmacksnerven abtötet. Einzig für die Lokalpresse ist dies ein Grund zur Freude. Seitenweise Berichterstattung über die angeblich besten Weihnachtsmärkte der Stadt lassen regionale Postillen wie von Geisterhand auf einen beachtlichen Umfang anschwellen und die Kassen der Zeitungsverlage süß wie selten klingeln. Blatt für Blatt strahlen uns in der besinnlichen Vorweihnachtszeit die sichtlich angeheiterten Arbeitskollegen Hans (35) und Franz (37) an und teilen uns nicht nur mit, wo es den ihrer Meinung nach schmackhaftesten Glühwein gibt, sondern auch, auf welchem der Budendörfer sich am einfachsten Damenbekanntschaften schließen lassen. Dem wollen natürlich die BWL-studierenden Freundinnen Ina (19), Nina (21) und Bettina (22), welche allesamt mit lustig blinkenden Weihnachtsmannmützen verziert sind, in nichts nachstehen und empfehlen uns ungefragt einen ganz anderen “Glühmarkt”, auf dem immer “so eine tolle ausgelassene Atmosphäre ist”. Dann folgen mit weiteren “heißen Tipps” noch ein frischverliebtes Pärchen, ein lustiger Kegelklub und ein Landfrauenverein aus dem Umland – für jeden Geschmack gibt es den passenden Weihnachtsmarkt, obwohl sich die Märkte, abgesehen von unterschiedlichen Standorten, für den nüchternen Betrachter durch nichts unterscheiden wollen. Weiterlesen von ‘Immerwährende Themen’

Mariä Aufnahme in den Himmel

flickr: Mariä Himmelfahrt

Heute ist Mariä Himmelfahrt. Ein Feiertag, der in Deutchland ausschließlich in großen Teilen Bayerns und im Saarland gesetzlich verordnet ist. Die Tatsache, dass Maria in den Himmel aufgenommen wurde, macht sich im protestantisch geprägten Hamburg lediglich dadurch bemerkbar, dass an diesem Tag keine Ausgabe der Süddeutschen Zeitung erscheint.

Der bösartige Zeitungsverkäufer neigt jeweils am 15. August, genau wie am 6. Januar (Heilige Drei Könige), 60 Tage nach Ostern (Fronleichnam) sowie am 1. November (Allerheiligen) dazu, in den überwiegend nichtkatholischen Gegenden der Republik stillschweigend die bereits am Vortag erschienene Feiertagsausgabe ein zweites Mal an den Mann bringen zu wollen. Selbstverständlich ist hier ausschließlich die Rede von Verkäufern der SZ – auf die im etwas weniger katholischen Hessen beheimatete Frankfurter Allgemeine Zeitung trifft die skizzierte Problematik lediglich an Fronleichnam zu.

Der freundliche Zeitungsverkäufer indes zeichnet sich, wie auf dem obigen Bild deutlich zu erkennen ist, dadurch aus, den unwissenden süddeutschezeitunglesenden Nichtkatholen darauf aufmerksam zu machen, dass es sich an besagten Tagen jeweils um eine Feiertagsausgabe handelt, deren Aktualität stark eingeschränkt ist. Das ist praktiziertes Christentum – obwohl es sich bei meinem Zeitungshändler um einen Muslim handelt.

Mein Zeitungshändler liegt übrigens richtig: Die Bayern haben es wirklich gut. Während den Hamburgern pro Jahr lediglich neun gesetzliche Feiertage zugebilligt werden, sind es im südlichsten aller Bundesländer ganze 13.

Hamburger CDU will Studiengebühren verbessern

Hamburger Morgenpost vom 07.08.2007

In der heutigen Ausgabe der Morgenpost wurden die in Hamburg zur Wahl stehenden Parteien nach ihren Lösungsansätzen zu den drängensten Problemen der Stadt befragt. Besonders interessant ist, dass die CDU mit den 40 Mio. Euro Einnahmen aus Studiengebühren die Lern- und Studiengebühren verbessern will.

Wäre dieser Lösungsansatz eine Suppe, Alfred Biolek würde sie als sehr interessant bezeichnen.

Versuch eines medienkritischen Gedichts

Potter, Simpsons, Dalai Lama
sind die Helden dieser Tage,
Vattenfall und Fahrradfahra*
brachten jüngst das Volk in Rage.

Doch nur ein paar Wochen später,
sind es wieder Volksvertreter,
Sex-Skandale, schwarze Kassen,
die uns nicht in Ruhe lassen.

Neue Helden müssen her:
das Sommerloch droht bald.
Wie wär’s mit einem neuen Bär?
Sein Schicksal ließe niemand kalt.

Ob nun ein Bruno oder Knut
- der Auflage tut’s gut.
Der Bär als Sau durch’s Dorf getrieben,
die Zeitungsmacher werden’s lieben.

* Anmerkung des Dichters: Die Fahrradfahrer haben sich so blödgedopt, dass ihnen sämtliche für Orthographie zuständige Gehirnzellen abgestorben sind. Das ist in diesem Fall nicht weiter tragisch, so reimt sich das Gedicht wenigstens.

Kuriose Todesanzeigen

Todesanzeige

Nach einigen Tagen der Qual habe ich bereits nach einer griffigen Formulierung für meine eigene Anzeige gesucht. Zum Glück bin ich dem Sensenmann noch einmal entkommen und mit mir geht es wieder bergauf. Falls Ihr Euch für den Ernstfall rechtzeitig ein paar Anregungen holen möchtet, empfehle ich die großartige Todesanzeigensammlung von Christian Sprang, der seit vielen Jahren Kuriositäten aus diesem Bereich sammelt und diese bereits seit 2003 im Internet veröffentlicht. Und wer es lieber geschmackvoll mag, der ist hier sicher an der richtigen Adresse.

Sonntag ohne Zeitung

Das erste mal seit vielen Monaten habe ich am heutigen Sonntag keine Zeitung in der Hand gehabt. Ich hatte keine Zeit dafür und der sonntägliche Gang zum Kiosk meines Vertrauens entfiel somit. Obwohl der Hamburger Zeitungsmarkt am Wochenende seit Ende letzten Jahres im Neuerscheinungsrausch ist, greife ich mangels qualitativer Alternativen bevorzugt zur Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Aber auch bei deren Lektüre klingt mein Interesse zunehmend ab. Weiterlesen von ‘Sonntag ohne Zeitung’

Drama ohne Selbstmord

Titelseite der Hamburger Morgenpost

Wenn man diese Überschrift auf der heutigen Titelseite der Hamburger Morgenpost liest, könnte man meinen Mario Mettbach war erfolgreich. Wer weiter liest, wird schnell feststellen, dass der ehemalige Hamburger Bausenator und Zweite Bürgermeister nachdem er 80 Schlaftabletten nahm und versuchte, sich die Pulsadern aufzuschneiden, noch immer in der Lage war, einen Rettungswagen zu rufen.

Der Auflage helfen derartige Überschriften sicher mehr als der Orientierung der Leser. Vielleicht brauchen wir ein dem Bildblog ähnliches Überwachungsorgan auch für die MoPo?

Nachtrag 08.01.2007: In der letzten Ausgabe der Radiosendung Trackback führte Johnny Haeusler ein sehr interessantes Gespräch mit dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier. Der Gründer des bereits erwähnten Bildblogs sagte, dass eine Marktlücke für sogenannte Watchblogs die Beobachtung von regionalen Tageszeitungen sei.

Die Hamburger hätten angesichts ihrer aus Hamburger Abendblatt, Hamburger Morgenpost und Welt bestehenen Lokalpresse sicher alle Hände voll zu tun.

iLive der Non-Podcast des Hamburger Abendblattes

In der Ausgabe vom 28.12.2006 kündigte die zum Springer-Konzern gehörende Regionalzeitung Hamburger Abendblatt für den heutigen Tag das Erscheinen ihres zweiwöchentlichen Podcasts iLive an. Dieser soll die Rubrik Hamburg Live der Printausgabe ergänzen, welche sich als Programmzeitschrift für kulturelle Veranstaltungen sieht. So heißt es erwähnten Artikel: Weiterlesen von ‘iLive der Non-Podcast des Hamburger Abendblattes’

Das Beste aus meinem Leben

Axel Hacke - Das Beste aus meinem Leben

Gestern war es soweit. Die ARD strahlte die erste Folge der Vorabendserie “Das Beste aus meinem Leben”, basierend auf der gleichnamigen, im Magazin der Süddeutschen Zeitung erscheinenden, Kolumne von Axel Hacke aus.

Schon die Titelmelodie ließ das Schlimmste erahnen. Ertönte doch gleich zur Eröffnung eine süßliche Komposition, welche für eine teenagerkompatible Seifenoper im Unterschichtenfernsehen nicht hätte treffender sein können. Die Drehbuchautoren machten Axel Hacke, der in der Serie Max Miller heißt und von Oliver Mommsen dargestellt wird, zum Volltrottel, während seine Frau Paola (Elena Uhlig) an Zickigkeit kaum zu überbieten ist. Weiterlesen von ‘Das Beste aus meinem Leben’